City of Angels - 3 Tage pure Unterhaltung
Hallo! Anbei einige Worte zu meinem ersten (und garantiert nicht letzten) Besuch in der Stadt der Engel. Würde ich sämtliche Aktivitäten ausführlich listen, käme dabei wahrscheinlich ein 50-seitiger Erfahrungsbericht heraus, deshalb beschränke ich mich auf den ersten Tag.
Ein 10-tägiger Trip an Amerikas Westküste - da ist Los Angeles natürlich Pflichtprogramm. Vorab ordentlich eingelesen, ging´s für mich und 3 Freunde im Dezember ´18 endlich auf die Reise.
Spätabends gelandet - allein beim Anflug auf das hell erleuchtete, sich bis zum Horizont erstreckende L.A. verschlägt es einem die Sprache, wirklich ein unglaublicher Anblick.
Unsere erste Ferienwohnung lag direkt am Venice Beach; zur spätabendlichen Zeit kam uns doch etwas Unbehagen auf. Dunkle Seitenstraßen, viele umherschlurfende Obdachlose, überquellende Mülltonnen. Nicht gerade der erhoffte, tolle erste Eindruck.
Als wir aufgrund des Jetlags am nächsten Morgen realtiv früh das Haus verließen, war vom gestrigen Unbehagen allerdings nichts mehr zu spüren. Die ersten Jogger waren bereits auf den Füßen, viele der Gebäude sind mit den kunstvollen `Peaky Blinders´ Wandbildern verziert, die Sonne ging langsam am Horizont auf und tauchte ganz Venice in ein warmes Morgenlicht.
Zum frühstücken ging´s ins IHOP - eine auf Frühstück spezialisierte Restaurantkette, die einen mit allem versorgt, was das Herz begehrt. Waffeln, Pancakes, Omlettes, Speck, frozen Coffee... ein Wahnsinn. Schmeckt auch supergut, und die Angestellten sind ebenfalls sehr sympathisch und freundlich.
Nach erfolgreicher Stärkung gings für uns zuerst zum Point Dume in Malibu, ein Aussichtspunkt auf einem direkt am Meer gelegenen Felsen. Alleine die knapp 45-minütige Fahrt dorthin war atemberaubend. Mit knapp 22 Grad mitten im Dezember und offenen Scheiben gings im Sonnenlicht über die Landstraße. Rechts endlose Grünanlagen, Palmen, Hügellandschaft - links der ewig weite Strand und das Meer.
Allein die z.T. wirklich großflächig verbrannten Hügelflächen trübten das Bild etwas, und ließen eine ungefähre Ahnung darüber aufkommen, wie schlimm die kalifornischen Buschfeuer nur Wochen vor unserer Ankunft gewütet haben müssen.
Am Point Dume angekommen, offenbart sich die Schönheit von Malibu augenblicklich. Ein weiter, absolut menschenleerer Strand, tosende Wellen, felsige Klippen und ein mit Kakteen und Palmen gesäumter Hügel. Sobald man letzteren erfolgreich erklommen hat, muss man den Ausblick erst einmal sacken lassen. Eine kleine Bucht direkt vor der Nase, der Ausblick über´s bis zum Horizont reichende Meer, dazu eine vollkommene Stille, wirklich traumhaft.
Nach diesem tollen Start in den Tag ging´s für uns zurück nach Venice Beach. Nach kurzer Pause im Apartment machten wir uns zu Fuß auf zur Promenade. Glücklicherweise war diese nicht so überlaufen wie zur Hochsaison, Unterhaltung gab´s trotzdem zur Genüge. Artisten, Sprayer, Sportler aller Art, Straßenverkäufer, die einen manchmal doch sehr penetrant zum Kauf aufforderten, und erneut eine wirklich schöne Kulisse. Riesige Palmen, weite Grünflächen und ein unfassbar großer Strand... allerdings war auch hier das Elend der homeless people quasi greifbar, die sich in Zelten und kleinen Grüppchen auf den Grünflächen und Bänken herumtrieben.
Nach einstündigem Umherschlendern ging´s für uns weiter nach Beverly Hills. Bei der gefühlt ewigen Fahrt hinauf in die prominenten Hügel wurde uns erneut die Dimension dieser riesigen Stadt bewusst. Unbedingt vor Urlaubsantritt die Google Maps Offlinekarten für L.A. downloaden - ohne Navi seid ihr in dieser Metropole hoffnungslos verloren.
Was kann man zu Beverly Hills schon sagen? Nicht allzu viel, weil man diesen Ort einfach mit eigenen Augen gesehen haben muss. Geradezu ungläubig fährt man durch diese vor Luxus strotzenden Straßen, welche mit den größten Palmen von ganz Los Angeles gesäumt sind. Eine Protzvilla an der nächsten, geradezu unfassbare Konstruktionen, von meterhohen Marmorsäulen bis zu gläsernen Eingangstoren ist wirklich alles dabei. Die meisten dieser Tempel sind allerdings mehr oder weniger hinter Hecken und Büschen verborgen, was auch irgendwo verständlich bleibt.
Einen kurzen Abstecher auf dem Rodeo Drive war auch noch drin. Hier sei nur so viel gesagt, mit einem 5er BMW wird man an diesem Ort höchstwahrscheinlich müde belächelt... Ferraris, Lamborghinis, Maseratis, McLaren - einen derartigen Luxus Fuhrpark habe ich vorher noch nicht zu sehen bekommen. Davon abgesehen ist die Shoppingmeile hier wunderschön gestaltet, überall kleine Sitzmöglichkeiten, Palmen, hübsch angelegte Brunnen und Stände.. die komplette Kehrseite zu Venice Beach bei Nacht.
Zum Abschluss des Tages gings dann noch zum Griffith Observatory. Hier fällt einem als erstes die chaotische Parksituation auf. Am Fuß des Hügels gibt es zwar einen groß angelegten Parkplatz, wer diesen in Anspruch nimmt muss sich allerdings auf einen ca. 15-minütigen Fußmarsch einstellen. Trotzdem eindeutig die bessere Wahl: beim ersten Versuch noch bergaufwärts gefahren, schwindet die Hoffnung schnell, weiter oberhalb noch einen freien Parkplatz zu ergattern. Die geparkten Autos stauen sich bereits hunderte Meter vor dem eigentlichen Ziel auf dem Seitenstreifen.
Oben angekommen, wird man allerdings ausgiebig für die kleine Kraftanstrengung belohnt. Ein durchweg beeindruckendes Gebäude, mit grandioser Innenausstattung, von einer Kathedrale-ähnlichen Eingangshalle aus geht´s über mehrere Stockwerke durch die Welt unseres Universums. Ein Planetarium, Bilder, Weltraumteleskope, sogar echte, kiloschwere Gesteinsbrocken gibt es hier zu bestaunen. Und es sei angemerkt: alles kostenlos, was in L.A. absoluten Seltenheitswert hat.
Das absolute Highlight ist allerdings der Ausblick. Von der Dachterrasse aus gesehen tut sich die komplette Stadt, bis zur Bucht von Santa Monica vor einem auf, ein riesiges Gitternetzwerk aus Häusern, Autos und Palmen. Da wir ziemlich genau zur Dämmerung eintrafen, konnten wir sogar noch den Übergang vom Tag zur Nacht mitnehmen. Ein orange schimmernder Streifen am Horizont, der langsam immer schmaler wird, während die Stadt nach und nach ihre Beleuchtung erwachen lässt - einfach der Wahnsinn. Man steht, wie die meisten anderen Besucher, einfach nur minutenlang da, lässt seinen Blick über die endlose Metropole gleiten und genießt den Augenblick.
Das war er, unser erster Tag in der Stadt der Engel. Dann gab´s da noch den Walk of Fame, die Universal Studios Hollywood, verschiedene Fressbuden, den Santa Monica Pier... aber wie gesagt, für diese ganzen Berichte würde ich noch einige Stunden brauchen. Macht euch selbst ein Bild davon, es lohnt sich definitiv. So viel Unterhaltung wie in diesem Urlaub und speziell in dieser City, habe ich noch nie zuvor erlebt. Mit durchgehendem Sonnenschein, 23 Grad Durchschnitt und einem so gemütlichen, langsamen und entspannten Lebensgefühl wie in Los Angeles sind leichte Depressionen am Tag des Rückflugs garantiert.
Angemerkt sei zum Abschluss noch, dass die Schere zwischen Arm und Reich in L.A. erschütternd ersichtlich ist. Oben in den Hills lebt die High Society ein sorgenfreies Leben, unten in Venice und speziell in den Vororten herrschen pures Elend und Verzweiflung. Über die ganze Stadt verteilt entdeckt man immer mal wieder Zelte und Wellblechhütten der Obdachlosen am Straßenrand... wirklich nicht schön mitanzuschauen. Zwei meiner Jungs sind am nächsten Tag bei einem Einkaufstrip zu früh abgebogen und versehentlich in der berüchtigten `Skid Row´ gelandet... zum Glück bin ich von diesem Anblick verschont geblieben.